Bildung beeinflusst Lebensarbeitszeit
Eine aktuelle Studie zeigt, dass Menschen mit höherem Bildungsabschluss in Deutschland deutlich mehr Jahre in Erwerbsarbeit verbringen als Personen mit niedrigerer Qualifikation.
Eine gemeinsame Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) hat erstmals die Lebensarbeitszeit in Deutschland nach Bildungsabschlüssen untersucht. Dabei wurde nicht nur die Erwerbstätigenquote, sondern auch die wöchentliche Arbeitszeit berücksichtigt. Das Ergebnis: Personen mit hohem Bildungsabschluss, wie einem Hochschul- oder Meisterabschluss, verzeichnen die längste Lebenszeit in Erwerbsarbeit. Bei Männern mit hoher Bildung liegt diese bei 40,6 Jahren, bei Frauen bei 31,9 Jahren. Im Vergleich dazu betragen die Werte bei niedriger Bildung 31,3 Jahre (Männer) bzw. 17,9 Jahre (Frauen). Der Unterschied zwischen den Bildungsgruppen ist damit bei Frauen mit 14 Jahren besonders ausgeprägt.
Seit 1991 hat sich die Lebensarbeitszeit in Deutschland insgesamt leicht erhöht, von 32,1 auf 33,8 Jahre. Während hoch gebildete Frauen und Männer ihre Lebensarbeitszeit steigern oder halten konnten, ist sie bei niedrig gebildeten Personen gesunken. Bei Männern mit niedriger Bildung sank die Lebensarbeitszeit von 36,0 Jahren (1991) auf 31,3 Jahre (2025), bei Frauen von 20,2 auf 17,9 Jahre. Die höchsten Zuwächse verzeichneten Frauen mit mittlerer Bildung, deren Lebensarbeitszeit von 25,7 auf 29,7 Jahre stieg.
Die längere Lebensarbeitszeit von Hochqualifizierten lässt sich vor allem auf ihre durchgehend höhere Erwerbstätigenquote und längere Wochenarbeitszeiten zurückführen. Diese gleichen den späteren Berufseintritt durch längere Ausbildungszeiten aus. Bei Personen mit niedriger Bildung ist die Erwerbstätigkeit dagegen stärker von konjunkturellen Schwankungen und der Arbeitsmarktlage abhängig, was zu häufigeren Unterbrechungen führt.
Die Studie betont, dass die Ausschöpfung der Beschäftigungspotenziale positiv auf die Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme in einer alternden Gesellschaft wirkt. Weitere Potenziale sehen die Forschenden bei Frauen, älteren Personen und jüngeren bis mittleren Altersgruppen mit niedriger Bildung. Hier könnten eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gesundheitlicher Arbeitsschutz sowie lebenslanges Lernen die Lebensarbeitszeit erhöhen.
Für Verbraucher ist die Lebensarbeitszeit ein wichtiger Faktor bei der Planung der Altersvorsorge und des Versicherungsschutzes. Eine längere Erwerbsphase kann sich positiv auf die Rentenansprüche auswirken, während Unterbrechungen oder kürzere Arbeitszeiten die finanzielle Absicherung im Alter beeinflussen. Vor diesem Hintergrund kann es sinnvoll sein, frühzeitig private Vorsorgemaßnahmen zu treffen, um mögliche Versorgungslücken zu schließen.


