Diskussion um Arbeitszeitregelungen
Die Bundesregierung diskutiert die Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit, um Flexibilität und Arbeitsvolumen zu steigern.
Experten vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) warnen vor den Folgen: Längere Arbeitszeiten könnten die Gesundheit der Beschäftigten gefährden und damit auch ihre langfristige Arbeitsfähigkeit. Das Recht auf Erholung sei eine zentrale soziale Ressource, um Produktivität und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu erhalten. Aktuell arbeiten bereits 43 Prozent der Beschäftigten häufig länger als acht Stunden am Tag, meist aus Notwendigkeit. Fast die Hälfte fühlt sich danach erschöpft oder ausgebrannt. Besonders problematisch sind verkürzte Ruhezeiten, die zu Überlastung führen.
Die Debatte um längere Arbeitszeiten geht an der Realität vieler Beschäftigter vorbei: Über die Hälfte berichtet von Arbeitskräfteengpässen, besonders in Branchen wie Gesundheit, Bau oder Gastgewerbe. Dort sind Überstunden und Arbeitsverdichtung längst Normalzustand. Erschöpfung und gesundheitliche Ausfälle sind oft Folge belastender Arbeitsbedingungen, nicht mangelnder Leistungsbereitschaft.
Für Versicherte bedeutet eine Deregulierung der Arbeitszeiten nicht nur ein Gesundheitsrisiko, sondern auch ein erhöhtes Risiko für Berufsunfähigkeit oder längere Krankschreibungen. Arbeitgeber und Versicherer sollten daher ein Interesse an gesundheitsförderlichen Arbeitszeitmodellen haben, die die Arbeitsfähigkeit langfristig sichern, so die Experten vom WSI.


