Psychisch bedingte Fehlzeiten stark gestiegen
Die Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen sind stark gestiegen.
Laut Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK stieg die Zahl psychisch bedingter Arbeitsunfähigkeitstage von 284 je 100 AOK-Mitglieder im Jahr 2016 auf 403 im Jahr 2025. Psychische Erkrankungen verursachten im vergangenen Jahr durchschnittlich 28,5 Ausfalltage je Fall. Bei Atemwegserkrankungen waren es 5,7 Tage. Auch die Fehlzeiten mit der Diagnose Burnout nahmen zu: von 11,0 Tagen je 100 Mitglieder 2016 auf 19,5 Tage 2025.
Besonders häufig waren psychisch bedingte AU-Fälle in Berufen des Dialogmarketings mit 39 Fällen je 100 Mitglieder. Es folgten Beschäftigte in der Haus- und Familienpflege sowie der Altenpflege. Auch Berufe in der Heilerziehungspflege, Sonderpädagogik und Kinderbetreuung lagen weit vorn. Als mögliche Belastungen nennt der Report hohe emotionale Anforderungen, große Verantwortung, hohes Arbeitspensum, wenig Einfluss auf Arbeitsabläufe und begrenzte soziale Unterstützung.
Über alle Erkrankungen hinweg gingen die Fehlzeiten 2025 leicht zurück. Die AOK verzeichnete durchschnittlich 23,3 Arbeitsunfähigkeitstage je Mitglied, nach 23,9 Tagen in den Jahren 2023 und 2024. Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und weitere Faktoren hätten jedoch die Erfassung von Krankmeldungen verändert.
Auch die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für Krankengeld stiegen: Sie beliefen sich 2025 nach vorläufigen Daten auf 21,6 Milliarden Euro, gegenüber 11,2 Milliarden Euro zehn Jahre zuvor. Die Zahl der Krankengeldfälle wegen psychischer Erkrankungen nahm zwischen 2021 und 2025 um knapp 25 Prozent zu; die Ausgaben dafür stiegen im selben Zeitraum um 54 Prozent. Steigende Gesamtausgaben sagen für sich genommen allerdings nichts über die individuellen Ansprüche einzelner Versicherter aus.
Der Report betont, dass mehr Fehlzeiten nicht automatisch bedeuten, psychische Erkrankungen hätten in der Bevölkerung im gleichen Maß zugenommen. Erkrankungen würden heute besser erkannt und häufiger angesprochen; zugleich gebe es Hinweise auf reale Zunahmen psychischer Belastungen. Für Versicherte sind frühe Unterstützung und geeignete Behandlungsmöglichkeiten relevant. Der Bericht hebt zugleich hervor, dass die Gestaltung der Arbeitsbedingungen und die Unterstützung bei der Rückkehr in den Beruf nicht allein den Beschäftigten überlassen werden sollten.


