Unfallforschung warnt vor Ablenkung durch Fahrzeugbedienung
Touchscreens, Sprachsteuerung und komplizierte Bedienmenüs können Autofahrende vom Verkehrsgeschehen ablenken. Eine Untersuchung der Unfallforschung der Versicherer zeigt, worauf Verbraucherinnen und Verbraucher bereits beim Fahrzeugkauf achten sollten.
Moderne Fahrzeuge bündeln zahlreiche Funktionen für Navigation, Kommunikation, Unterhaltung und Fahrzeugeinstellungen in Displays und digitalen Bediensystemen. Je weniger intuitiv diese Systeme funktionieren, desto länger müssen Fahrende den Blick von der Straße abwenden oder ihre Aufmerksamkeit auf die Bedienung konzentrieren.
Bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde legt ein Fahrzeug in einer Sekunde rund 14 Meter zurück. Bei Tempo 100 sind es etwa 28 Meter. Zusätzlich verlängert sich der Anhalteweg, wenn die Aufmerksamkeit nicht auf den Verkehr gerichtet ist. Die Straßenverkehrsordnung erlaubt deshalb nur eine kurze Blickzuwendung zu Geräten und Fahrzeugbildschirmen.
Laut einer repräsentativen Befragung der Unfallforschung der Versicherer verfügen 54 Prozent der Autofahrenden über ein Fahrzeug mit Touchscreen. Rund 84 Prozent nutzen ihn zumindest gelegentlich. Etwa ein Drittel der Nutzenden hatte bereits Probleme mit einer komplizierten Bedienung oder einem zu hohen Aufmerksamkeitsaufwand.
Eine Sprachsteuerung besitzen 45 Prozent der Befragten. Davon nutzt sie mehr als 80 Prozent zumindest gelegentlich. Rund die Hälfte berichtet jedoch, dass das System sie schon einmal falsch oder gar nicht verstanden habe. Dadurch kann der vermeintliche Sicherheitsvorteil verloren gehen, wenn Fahrende anschließend manuell über den Touchscreen eingreifen.
Für komplexe und nicht zeitkritische Aufgaben wie Telefonieren oder die Auswahl eines Navigationsziels kann eine zuverlässige Sprachsteuerung die geringste Ablenkung verursachen. Wichtige Fahrfunktionen wie Blinker, Scheibenwischer, Licht und Warnblinker sollten dagegen über gut erreichbare, fühlbare Schalter oder Hebel bedient werden. Touchscreens sollten sich aus der Fahrposition schnell und übersichtlich bedienen lassen. Große Schaltflächen, kurze Bedienwege und eine Handauflage können dabei helfen.
Verbraucherinnen und Verbraucher sollten die Bedienung bei einer Probefahrt unter realistischen Bedingungen testen. Dazu gehören die Sprachsteuerung bei Hintergrundgeräuschen, die Erreichbarkeit des Bildschirms und die Bedienung wichtiger Funktionen ohne längeres Hinsehen. Das Ablenkungspotenzial eines Fahrzeugmodells kann außerdem in Bewertungen der Organisation EuroNCAP berücksichtigt werden.
Aus Sicht der Versicherungen ist Ablenkung am Steuer ein relevantes Unfallrisiko. Eine genaue Erfassung als Unfallursache ist schwierig, weil Betroffene die Nutzung von Geräten nicht immer angeben. Bei einem Unfall können jedoch Verkehrsverstöße, grobe Fahrlässigkeit und eine Verletzung von Obliegenheiten Auswirkungen auf die Regulierung haben.


